Novell Work Groups Tour

Auf freundliche Einladung der Fa. Cyvaned Systems GmbH&Co.KG hin habe ich die Novell Work Groups Tour 2007 im Holiday Inn City Centre in München besucht. Da hat sich Novell nicht lumpen lassen, so einen Event auf den Zeitraum vom Oktoberfest zu legen. Themen waren Open Enterprise Server 2, ZENworks Configuration Management, GroupWise 8 und GroupWise Mobile Server sowie Teaming + Conferencing.

Vorgestellt wurden neue und kommende Produkte in Form einer Idee eines fiktiven Vorstands einer gedachten Firma, der seine Vision gerne von seiner IT Mannschaft implementiert sehen möchte. Diese Mannschaft bestand aus Novell Consultants, die sich einigermaßen erfolgreich als Schauspieler versuchten und die Thematik locker vermittelten. Sehr schön war die umfangreiche Präsentation der Produkte im Demobetrieb, was schon etwas ganz anderes ist als eine Slideshow. Hier war VMware ordentlich gefordert und es freut mich sehr, dass sämtliche Demos funktioniert haben. Leider ging der Faden des gut ausgedachten Szenarios während der Vorträge verloren und das Meeting mit der Aussage “Die Aufgabe ist gelöst!” war unspektakulär.

Open Enterprise Server 2 - Installation

Beim OES2 ist jetzt neu, dass man die Installation mit der CD1 startet. Der Vorgänger wurde tatsächlich mit zwei ersten Medien ausgeliefert. Je nachdem, ob man SLES oder OES1, eine Mischung aus SLES und OES1 Applikationen, installieren wollte, musste man zum einen oder anderen Medium greifen. Da die Installation öfter mal das Medium wechseln lässt, ist so mancher Administrator wohl schon in der Klapse gelandet. Die noch frei herumlaufenden Admins sehen also einer Zukunft mit verbesserter Installation entgegen :-) Beim OES2 hat man dem Mischmasch ein Ende gesetzt. Es wird jetzt immer SLES installiert und OES2 ist ein optionales Zusatzprodukt. Erfreulicher Nebeneffekt ist, dass die Zertifizierung von Drittprodukten im Linuxumfeld meist gegen SLES alleine geprüft werden kann und damit sowohl SLES als auch SLES+OES2 Konfigurationen zertifiziert sind.

Open Enterprise Server 2 - 64bit

Mal wieder wurde die x86-64 CPU Unterstützung hervorgehoben und dabei verschwiegen, dass nur ein Bruchteil von Novell Produkten als 64bit Version zur Verfügung stehen und nur dank der 32bit Backwardcompatibility laufen.

Open Enterprise Server 2 - DNS/DHCP

Enthalten sind DNS und DHCP Server, welche die eDirectory als Backend verwenden, wie das seit Jahren auf NetWare üblich ist. Der DHCP Server profitiert von der Redundanz der Directory und soll meinem Verständnis nach der ISC DHCP Daemon sein, mit eDirectory Patches von Novell, die upstream contributed und akzeptiert wurden. Beim DNS Server wollte man den gleichen Weg mit dem ISC BIND gehen, dort ist Upstream jedoch bislang unkooperativ. Daher wird zur Auslieferung vom OES2 der NetWare DNS auf Linux portiert. Was das genau bedeuten soll, wo dieser doch ebenfalls auf dem ISC BIND basiert, ist mir schleierhaft. Vermutlich handelt es sich nicht um zwei Nameserver, sondern zwei Versionen des BIND. Aktuell und in der Linux Welt verbreitet ist BIND9, auf NetWare kam BIND8 zum Einsatz.

Open Enterprise Server 2 - Domain Services für Windows

Vorgestellt wurden die “Domain Services für Windows”. Hierbei simuliert der OES2 einen Windows NT Domain Controller und daher lassen sich User und Groups über übliche Windows Tools verwalten. Dabei wird eDirectory als Backend verwendet, ohne dass die Applikationen oder der Administrator hiervon Kenntnis haben.

Open Enterprise Server 2 - Novell iFolder

Der OES2 kommt mit iFolder 3.6 daher. Das ist bislang Vaporware und konnte nicht gezeigt werden. Angeblich sollen Dateinamen und Verzeichnisse werden nicht mehr verschlüsselt werden. In der Vergangenheit wurden diese nur als Nummernkombination (vermutlich Hash) dargestellt. Auch wenn das für den Fall eines teilweisen Restores sinnvoll erscheinen mag, halte ich das für einen Rückschritt, da hier Informationen über den Datenbestand sinnlos preisgegeben werden. Immerhin soll der Inhalt der Files verschlüsselt sein, so wie man das vom iFolder 2.x kennt und man bei der OSS iFolder 3.5 vergeblich sucht.

Open Enterprise Server 2 - Distributed Filesystem

DFS Junctions sollen wohl so etwas sein wie maschinenübergreifende Symlinks oder Mounts. Vielleicht eher ersters, da meinem geringen Verständnis dieser Thematik nach wohl der Client beim Zugriff auf die andere Maschine wechselt. Welche Clients das mit welchen Protokollen können sollen, ist mir unklar geblieben. Apropos Client, es gibt einen für Windows Vista. Er musste wegen grundlegender Designänderungen seitens Windows völlig neu programmiert werden, wobei man sich der Altlasten IPX Transport und Queue Based Printing entledigte.

Open Enterprise Server 2 - Dynamic Storage Technology

DST wurde lang und breit diskutiert. Letztlich wird eine Volume in zwei oder mehrere Teile aufgeteilt. Backupprogramme sehen alle Teile getrennt und können diese unabhängig voneinander mit unterschiedlichen Strategien sichern. Der Anwender sieht ein Gesamtvolume mit akkumuliertem Inhalt und weiss nicht, worauf er wirklich zugreift. Eine Policyeinstellung des Servers erlaubt die Entscheidung, unter welchen Bedingungen Daten von einem Volumeteil zum anderen wandern. Ein möglicher Einsatzzweck ist die Aufteilung in Volumeteile unterschiedlicher Geschwindigkeit und Redundanz, so dass wichtige und tägliche benützte Daten schnell und sicher verfügbar sind und der Rest auf günstigem und langsamen Storage liegt. Nette Idee, die mit Fuse implementiert ist.

Open Enterprise Server 2 - Virtualisierte NetWare

Wer NetWare behalten will, der findet bei OES2 den XEN Hypervisor mitgeliefert und die NW6.5SP7 kommt passend dazu mit einem paravirtualisierten Kernel daher. Angeblich kostet diese Konstellation nur ca. 3% Performance. Leider konnte ich als SLES10 Kunde bislang XEN nicht testen, denn seine einzige Funktion ist das Ausspucken einer Fehlermeldung, dass meine Grafikkarte nicht unterstützt wird - obwohl SLES selbst mit dieser zufrieden ist. Für einen Textkonsolenadmin wie mich war das bei der Inbetriebnahme besagten Servers Mitte 2006 geradezu ein Affront und seither strafe ich XEN durch Ignoranz.

ZENworks Configuration Management

Für jemanden wie mich, der ZENworks seit der “ADDICON.EXE” Vorzeit kennt, ist ZCM10 eine starke konzeptionelle Veränderung. Positiv bei dem neuen Konzept ist die Eigenständigkeit der Software, was die Anbindung an nahezu beliebige Directory Services erlaubt, ohne deren Schemas ändern zu müssen. Vielmehr genügt sogar nur eine Leseberechtigung. Dadurch kann das Produkt schnell installiert und ohne Einfluss auf den bestehenden Betrieb getestet und rückstandsfrei entfernt werden. Bisher war ein großes Plus für ZENworks, dass es die Redundanz- und Performancefeatures der eDirectory Replikation und Partitionierung nutzen konnte. Darauf wurde nicht nur bewusst verzichtet, vielmehr hat man beispielsweise die nacht ITIL bekannte CMDB absichtlich auf einen Punkt konzentriert. Die neue Brimstone Architektur schlägt in die Kerbe der Service Oriented Architecture (SOA) Buzzwörter. Serverseitig ist sie mit einer Menge Java Software implementiert, Clientseitig mit .NET Software. Diese Konstellation muss sich bei mir erst beweisen, um meine Bedenken in Sachen Geschwindigkeit und Zweifel in Sachen Zuverlässigkeit auszuräumen.

GroupWise 8 und GroupWise Mobile Server

Meinem Empfinden nach war das Interesse der Teilnehmer am größten an der Collaborationslösung GW8, welches im März 2008 zu erwarten ist. Der ursprünglich für diese Tage avisierte GW7 Nachfolger “Bonsai” wird übersprungen und wächst mit seinem dezidierten Nachfolger “Aspen” zusammen. Grund ist die Entscheidung, GroupWise mit Teaming + Conferencing zu integrieren. Beide Produkte haben heute einige Überschneidungen, z.B. im Bereich des Calendering, Contact- und Taskmangement, die aufgelöst werden sollen. Bei GW8 steht letztmalig der Windowsclient im Vordergrund der Anstrengungen. Sowohl der Linuxclient als auch Webaccess haben stark aufgeholt und sobald die Problematik des Offlinebetriebs gelöst ist wird das Webinterface wohl als einziger Client übrig bleiben - aber das sind Theorien zum GW8 Nachfolger.
Bei all den neuen Funktionen u.a. im Taskmanagement, Kalenderfunktionalitäten und Kontaktmanagement stellt sich mir die Frage, wie häufig der Windows Client wohl abstürzen wird.
Das fragt sich wohl auch Novell und bietet als neue Feature eine Auto-Save Funktionalität an.

Teaming + Conferencing

Diese neue Produkt, nein es sind wohl eher zwei Produkte, müsste ich mir zum Verständnis genauer anschauen. Der Funktionsumfang scheint riesig, das Benutzerinterface kam mir jedoch genauso verwirrend vor wie die Produktbeschreibung.

eDirectory

Tja, der ultimative Directory Service tritt in den Hintergrund. Neue Produkte kommen auch ohne aus. Keine neuen Features in Sicht. Ich hoffe, dass sich hier nicht ein schleichender Tod abzeichnet.

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