Weltbild eBook Reader

2012-05-13 by Thomas Lotterer

Da im Familienkreis bereits ein Amazon Kindle als eBook Reader mit gestochen scharfer aber monochromer Textanzeige im Einsatz war, wurde im Januar der Weltbild eBook Reader 3.0 von TrekStor angeschafft. Die technisch bedingt schlechtere Darstellungsqualität und wesentlich kürzere Akkulaufzeit sollte die Möglichkeit der Farbwiedergabe erkaufen. Heute folgte der Praxistest mit einem Farbfotosachbuch – und der war enttäuschend!

Zur Entscheidungsfindung für den zweiten eBook Reader haben einige Familienmitglieder die beiden in der engeren Auswahl befindlichen Geräte Kindle und TrekStor verglichen. Dabei haben wir die Qualität und die Eigenschaften der eBooks selbst nicht berücksichtigt. Das war ein großer Fehler. Das erworbene Fotobuch Gartengestaltung hat einige Schwachstellen der Kombination TrekStor/ eBook ans Tageslicht gefördert. Vor dem jammern über die Technik sei gesagt, dass das Buch inhaltlich gelungen ist.

Schriftzoom. Der Schriftgröße nach zu urteilen kann man die Größe der Papierausgabe auf etwa das doppelte schätzen. Die Zeichen sind kaum lesbar und da hilft auch keine Brille, denn die Qualität scheitert schlicht an mangelnder Pixeldichte. Kein Problem sollte man denken, dafür bietet das Gerät ja die Möglichkeit den Text zu zoomen. Die Funktion ist leider völlig unbrauchbar, denn das Werk ist in keiner Weise zur Verwendung als eBook abgestimmt. Nach dem Textzoom ist der Text zwar gut zu erkennen, aber der Reader kommt mit dem Layout nicht zurecht und unterlässt die Darstellung einiger Bilder ersatzlos. Dazu ist der Text exakt für das ursprüngliche Layout formatiert, Silbentrennung eingeschlossen. Da fin-den sich rei-hen-wei-se Tren-nungs-striche mit-ten in der Zei-le. Um diese Einschränkungen zu beheben, müssten sowohl Reader als auch eBook verbessert werden. Diese Funktion ist für das “Bilderbuch” unbrauchbar.

Komplettzoom. Alternativ kann man Bilder und Text gleichermaßen zoomen. Dabei bleibt das Layout erhalten. Mit dem Steuerkreuz scrollt man sich durch die Seite. Das funktioniert wie erwartet. Leider kann man in diesem Modus nicht umblättern. Das ist unverständlich und ärgerlich, da die Seitenblättertasten keine (andere) Funktion haben. Der Leser ist gezwungen, zuerst den Zoom zu deaktivieren, dann umzublättern und erneut den Zoom zu aktivieren. Diese Einschränkung könnte der Gerätehersteller durch einen Firmwareupgrade aufheben.

Doppelseiten. Selbst im Querformat ist es nicht möglich, zwei Seiten in einer Übersicht zu betrachten. Das Buch verwendet aber Stilmittel, die ein aufgeschlagenes Buch erfordern. Mit dem TrekStor kann man sich bestenfalls vorstellen, was der Autor dabei zeigen wollte. Visualisieren kann man es nicht. Auch das könnte man durch Firmware beheben.

Bildqualität. Das gelieferte eBook wird mit einer erschreckend miserablen Bildauflösung geliefert. Da man beim Preview im Shop das gesamte Buch durchblättern konnte, dachte ich, die schlechte Bildqualität wird wohl den Unterschied zur Kaufversion ausmachen. Weit gefehlt. Die Bilder kommen mit 72dpi ungefähr in halber Faxqualität (203×98 dpi) daher. Weit entfernt von den 300dpi eines normalen Magazins im Papierdruck. Bereits bei 100% Zoom ist die Qualität so schlecht, wie sie mit heutigen Kameras gar nicht mehr möglich ist. Mit einer 1 Megapixel Handykamera aus den ersten Jahren dieses Jahrtausends kann man bessere Fotos schießen. Und wir reden hier von einem Fotobuch.

Lessons Learned. Ausschlaggebend für die Nutzbarkeit ist die Kombination aus den technischen Möglichkeiten der Readerhardware, der Nutzung dieser Möglichkeiten durch die Readersoftware und, nicht zu vergessen, das gelieferte Buchmaterial. Die beschriebene Kombination kann zum heutigen Stand nur als Fluch der alten Papiermannschaft von Weltbild über die neue eBookgeneration erklärt werden …

2 Responses to “Weltbild eBook Reader”

  1. eBook Reader Says:

    Hallo Thomas, vielen Dank für deinen Testbericht zum Weltbild eBook Reader. Das Testergebnis wundert mich nicht den für diesen Preis einen überdurchschnittlichen guten Reader zu bekommen ist einfach unmöglich. Viele Leser lassen sich vom Preis blenden und recherchieren einfach nicht die technischen Daten wie zum Beispiel auch die Akkulaufzeit die aus meiner Sicht ganz entscheidend für einen eBook Reader ist. Ein Farbdisplay ist wunderbar aber hier sollte man doch ehr auf ein Farbdisplay mit E-INK waren welche in den USA schon erhältlich ist (siehe z.B. Pocketbook).

  2. Vannesa Benell Says:

    Was erwartet man auch für das Geld. Preis und Leistung müssen halt zusammen passen!

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