Berechnung Kurzarbeitergeld

2009-03-16 by Thomas Lotterer

Wer zu den 700.000 Arbeitnehmern aus knapp 16.900 Betrieben gehört, die im Februar 2009 kurzarbeiten, hat sicherlich Interesse an der Berechnung von Kurzarbeitergeld. Prinzipiell ist das nicht schwer, aber durchaus aufwändig. Hier eine Tabelle, in die man seine Daten eingibt und sogleich wird das Sollentgelt, Istentgelt, Kurzarbeitsgeld (KuG) und resultierendes Nettoentgelt samt Verlust in EUR und Prozent berechnet.

Eingabeparameter sind dabei Leistungssatz, Lohnsteuerklasse, Kirchenmitgliedschaft, Bruttoarbeitsentgelt, Arbeitszeitverkürzung, Vollarbeitszeittage/Monat, Kurzarbeitstage/Monat, Stunden/Vollarbeitszeittag, Beitragsbemessungsgrenze KV/PV sowie Beitragsbemessungsgrenze Bbm RV/AV. Integriert ist die “Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes (Kug) für Beschäftigte” sowie die Lohnsteuertabelle 2009 samt Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer für Bayern sowie die Sozialversicherungsbeiträge der Renten-, Arbeitslosen-, Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Die Tabelle ermöglicht es auch, Tage mit und ohne Kurzarbeit zu mischen. Urlaubstage, Gleitzeittage und Kranktage zählen nämlich nicht als Kurzarbeit, sondern werden in Zeit und Geld voll gezählt und gezahlt. Allerdings auch mit die Steuern und Sozialversicherungsabgaben für diese Tage vollumfänglich fällig. Da dadurch ein höheres Brutto erzielt wird, sinkt der KuG Zuschuss vom Arbeitsamt. Es empfiehlt sich, hier mit verschiedenen Werten zu spielen, um den Preis der Kurzarbeitsunterbrechung zu ermitteln. Ich sagte ja, aufwändig.

Update 2009-03-27: Lt. DGB Informationen werden Kranktage durch Arbeitsunfähigkeit, die schon bestand, als die Voraussetzungen für die Kurzarbeit erfüllt waren, voll in Zeit und Vergütung gezählt. Kranktage durch erst in der Kurzarbeit entstandenen Arbeitsunfähigkeit zählen als Kurzarbeitszeit und werden entsprechend mit reduziertem Entgelt mit KuG vergütet.

KuG Berechnung 2009 Konjunkturpaket II.
Bei Kommentaren bitte “Version 39″ mit angeben.

Update 2009-04-15: Version 38 mit Lohnsteuerberechnung nach Konjunkturpaket II, Version 39 mit Berechnung “Geldwerter Vorteil”.

Zu den weiteren Randerscheinungen gehört die Beantwortung der Frage, ob sich Kurzarbeit auf späteres Arbeitslosengeld auswirkt – nein.

Die Höhe des Kurzarbeitergelds wird man vergebens in meiner Tabelle suchen – die Werte sind bereits in der Tabelle zur Kug-Berechnung eingebaut.

Die Beitragssätze 2009 zu den Sozialversicherungen habe ich bei der AOK gefunden. Privatversicherte überschreiben am besten das Ergebnis der KV/PV Formel mit ihren individuellen Werten.

Auch wenn man während der Kurzarbeit Sozialversicherungsbeiträge für das Istbruttoentgelt zahlen muss, ist das Kurzarbeitergeld, also der Zuschuss vom Arbeitsamt, steuerfrei.

Last but not least, auch wenn es in meiner Tabelle nicht auftaucht, ist es vor allem für den Arbeitgeber interessant zu wissen, dass für 80% vom Kurzarbeitergeld, gemeint ist der Zuschuss, sehr wohl Sozialversicherungsbeiträge anfallen und für diesen Teil muss der Arbeitgeber sowohl die Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmerbeiträge bezahlen.

Update 2009-03-27: Lt. Information der AfA zum Konjunkturpaket II gibt es Änderungen zum KuG, u.a. entfällt für den Arbeitgeber die Zahlung der Arbeitnehmeranteile für das KuG.

Alle Angaben ohne Gewähr – Ich bin kein Experte, nur Interessierter!

13 Responses to “Berechnung Kurzarbeitergeld”

  1. Kurt Krüger Says:

    Version 23: gibt es auch eine Variante, in der ein eventl. vorhandener geldwerter Vorteil berücksichtigt werden kann?

  2. Thomas Lotterer Says:

    Bei Version 23 nicht. Habe mich mit dem Thema geldwerter Vorteil noch nicht beschäftigt.

    Update 2009-04-03: habe etwas zur Dienstwagenbesteuerung bei Kurzarbeit gefunden. Sieht so aus, als ob für Kurzarbeit nichts besonderes zu beachten wäre und es auch keine anteilsmäßige Berechnung gibt, d.h. der Wert wird für jeden Kalendermonat wie gehabt vollumfänglich am Anfang der Berechnung auf’s Brutto aufgeschlagen, um höhere Beiträge bei der Sozialversicherung zu generieren, und danach wieder abgezogen.

    Update 2009-04-15: Version 39 mit Berechnung “Geldwerter Vorteil”.

  3. Thomas Schönborn Says:

    Hallo Herr Lotterer,

    wie sieht die Berechnung aus, wenn ich im Laufe des Jahres neben einem Fixgehalt auch einen variablen Anteil (bei mir gleichbleibend) erhalten habe (von März 2008 bis Februar 2009 10 mal).

    Meine Firma berechnet nämlich nur den Fixanteil, obwohl ich für den variablen Anteil Sozialversicherungsbeiträge gezahlt habe.

    Begründet wird das mit monatlicher Neuberechnung?!

    Wieso zahle ich dann aber höhere Beiträge zu Einkommensteuer, Kranken- und Rentenversicherung und vor allem Arbeitslosenversicherung, wo die Berechnungsgrundlage die gleiche wie bei der Arbeitslosenversicherung ist?

    Auf baldige Antwort und Dank für Ihre Mühe
    Thomas Schönborn

  4. Thomas Lotterer Says:

    In den Informationen für Arbeitgeber und Betriebsvertretungen zum Thema Kurzarbeitergeld der Agentur für Arbeit steht unter 3 “Höhe des Kurzarbeitergeldes”, dass bei der Bestimmung u.a. das Sollentgelt wichtige Berechnungsbasis darstellt. Dieses ist auf Seite 20/21 beschrieben und dabei steht, dass Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt und Entgelt für Mehrarbeit nicht zu berücksichtigen sind. Handelt es sich bei den variablen Anteil also um die Auszahlung von Überstunden, werden diese nicht berücksichtigt. Handelt es sich z.B. um Provisionen, dann werden diese berücksichtigt.

  5. Oguz Says:

    Hallo, bei uns wird das Urlaubs- und Weihnachtsgeld monatlich ausgezahlt.
    Wie wird sowas bei Kurzarbeit berechnet?
    Zählt es zum “normalen” Bruttolohn dazu, wie z.B. Vermögenwirksame Leistungen oder nicht?

  6. zerhusen gertrud Says:

    Hallo Herr Lotterer.
    Ich habe jetzt zum 1. Mal meine Abrechnung mit Kurzarbeitsstunden(65,26std)erhalten,und weiß nicht ob die
    korrekt ist.
    Haben Sie eine Berechnungstabelle woraus ich ersehen kann,wie man das einfach nachrechnen kann?
    Ich habe Steuerkl.4
    Danke
    G.Zerhusen

  7. Thomas Lotterer Says:

    Bitte oben auf den Text “KuG Berechnung 2009 Konjunkturpaket II” klicken und die Tabelle runterladen. Kann mit OpenOffice oder Excel geöffnet werden. Einfach die eigenen Zahlen in die grün hinterlegten Felder oben eingeben und die Formeln rechnen Steuern und Sozialversicherung mit und ohne dem gekürzten Gehalt aus. Aus der Differenz ergibt sich das Kurzarbeitergeld, welches die Lücke etwas stopfen sollte. Die Tabelle verwendet keine Macros, die Formeln sind manuell nachvollziehbar. Auf zwei weiteren Blättern in der Arbeitsmappe sind die offiziellen Einkommensteuer- und die KuG-Tabellen hinterlegt. Die Formeln auf der ersten Seite bedienen sich daraus, man kann es aber auch händisch nachvollziehen. Viel Erfolg!

    Zur vollständigen Verwirrung sei noch darauf hingewiesen, dass in der ersten Jahreshälfte mehrmals Gesetzesänderungen zu den Tabellen bzw. Berechnungen verabschiedet wurden. Meist können die Lohnbüros nicht rechtzeitig umstellen, ist z.B. unmöglich bei rückwirkenden Änderungen, so dass erst die nächste Abrechnung richtig ist. Aber die kann man schlecht als Referenz heranziehen, denn sie enthält zusätzlich zur Änderung noch die Korrekturen der vorigen Fehler. Und somit bringt eine Gesetzesänderung leicht mal drei Gehaltsabrechnungen durcheinander. Ein Schelm, wer hier absichtliche Verschleierung vermutet …

  8. Surig Says:

    Hallo Herr Lotterer,

    Lt. Arbeitsagentur erfolgt die Berechnung des KuG vom Steuerbrutto, d. h. incl. Geldwerter Vorteil im Sollentgelt. Die Bemessungsgrenze liegt bei 5400.- Euro. In Ihrer Berechnung wird der Geldwerte Vorteil zur Berechnung des pauschalierten Nettoentgeltes aus dem Sollentgelt nicht berücksichtigt.
    Dadurch kommt es zu deutlichen Unterschieden im KuG. Was ist richtig?

  9. Thomas Lotterer Says:

    Leider konnte ich zum Thema “Geldwerter Vorteil” keine verbindlichen Informationen sammeln und bisher hat mir auch noch niemand reale Beispieldaten zur Verfügung gestellt. Die wertvollsten und dennoch mageren Infos stammen aus der oben verlinkten “Dienstwagenbesteuerung” Diskussion. Ein “Geldwerter Vorteil” ist nach meinem Verständnis ein Wert von Naturalien, z.B. Dienstwagen mit Privatnutzung, der zur Berechnung der Steuer- und Sozialversicherungsabgaben in Geld umgerechnet und dem Bruttogehalt zugeschlagen wird. Natürlich wird dieses Geld nicht ausbezahlt, es ist ja der Gegenwert einer Naturalie. In diesem Sinne habe ich bei der KuG Berechnung (Version 39) den selben Geldwert zum Ist- wie Soll-Brutto gerechnet. Den selben Betrag, weil die Naturalie keine Kurzarbeit hat und nicht anteilig an Wert verliert. Das ist für die betroffenen KuG Bezieher ein deutlicher Nachteil zum “echten” Bruttogehalt, denn trotz reduziertem “echten” Brutto sind für die Naturalie die vollen Anteile für Steuer- und Sozialversicherungsabgaben zu entrichten. Ich lasse mich gerne durch praktische Beispiele oder Referenzen auf offizielle oder verlässliche Publikationen belehren, aber bis dahin befürchte, ich, richtig zu liegen. Es ist schon sehr traurig, dass wir Gesetzen und Regelungen unterworfen sind, die selbst mit viel Recherchebemühungen nicht zu durchblicken sind.

  10. Peter Says:

    Ich komme mit Ihrem Rechner (Version 39) nicht ganz klar.
    Wenn ich 22 Arbeitstage normal habe, und 50% Kurzarbeit wären doch bei B9 22 Arbeitstage einzutragen und bei B10 11 Kurzarbeitstage. Da macht mir der Rechner aber Unsinn.

    Liebe Grüße
    Peter

  11. Surig Says:

    Hallo Herr Lotterer,

    Das der Geldwerten Vorteil zum Bruttogehalt dazu gezählt werden muss, ist schon richtig. Das pauschalierte Nettogehalt (Formel Zelle B30 und B49) muss aber dann vom Steuerbrutto incl. Gelwerter Vorteil (Zelle G18 und G37) und nicht, wie in Ihrer Tabelle (Version 39) vom Steuerbrutto ohne Geldwerter Vorteil (Zelle G16 und G35) berechnet werden.

    So macht es zumindest (leider) die Arbeitsagentur.

  12. Thomas Lotterer Says:

    Peter,

    die Felder oder deren Begleittexte in der Tabelle (Version 39) könnten besser benannt und beschrieben sein. Die 22 Arbeitstage bei “Kurzarbeitstage/Monat” (sollte besser “Werktage/Kalendermonat” heißen) bezeichnen die regulären durchschnittlichen Werktage eines Monats, unabhängig vom KuG. Zusammen mit der darunterliegenden Zelle “Stunden/Vollarbeitszeittag” mit den 8 Stunden pro Werktag werden die Arbeitsstunden pro Monat berechnet. Bei einer “5 Tage Woche” mit “8 Stunden Tag” sind die richtigen Werte voreingestellt. Bei der Zelle “Vollarbeitszeittage/Monat” sind diejenigen Tage von den “Kurzarbeitstage/Monat” (sollte besser “Werktage/Kalendermonat” heissen) anzugeben, bei denen keine Kurzarbeit anfällt. Das kommt vor, wenn in einem Monat nicht vollständig Kurzarbeit herrscht oder auch bei Urlaubs- oder Gleittagen, denn diese Zeiten zählen voll als Arbeitsleistung und müssen auch voll vom Arbeitgeber bezahlt werden und deshalb gibt es dafür auch kein KuG. Bitte hier nicht selbst (nochmal) die Anteile der KuG ausrechnen, dafür ist ausschließlich die Prozentangabe in der Zelle “Arbeitszeitverkürzung” da.

    Das von Peter genannte Zahlenbeispiel rechnet die Tabelle als einen Monat mit 11 “Kurzarbeitstage/Monat” (sollte besser “Werktage/Kalendermonat” heißen), wovon 22 Vollarbeitszeittage sind – das geht gar nicht!

  13. karsten Says:

    hallo, meine frage laute : wenn ich eine woche kurzarbeit habe,montags bis donnerstag je 8 std.und freitags 5std. Werden mir freitags auch nur die 5 oder gar 8std als vollen arbeitstag abgezogen? Lg karsten

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